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Samstag, 30. November 2013

Jede Beziehung ist mal im Minus

In Wirklichkeit sind die wenigsten Partnerschaften ausgewogen. Wie will man das auch messen können? Hinzu kommt die Dynamik des Lebens. Neue zeitraubende Aufgaben im Job oder eine private Leidenschaft, die plötzlich mehr Aufmerksamkeit fordert, kann die Balance in einer Beziehung stören. Auch wenn einer krank wird oder arbeitslos, braucht er den anderen und kann selbst wenig geben. Für eine gewisse Zeit wird so eine Schieflage durch positive Erwartungen abgepuffert. Man lebt in der Hoffnung, dass man irgendwann schon wieder auf seine Kosten kommen wird. Allerdings ist dieser Kreditrahmen limitiert: Wenn stets nur einer profitiert, fühlt sich der andere früher oder später abgezockt.

Warum aber fallen einem spontan Paare aus dem Bekanntenkreis ein, bei denen einer der beiden offensichtlich mehr für die Beziehung tut – ohne dass die Liebe darunter zu leiden scheint? Wenn sich einer mehr engagiert, beispielsweise indem die Initiative zu Unternehmungen immer von ihm ausgeht, ist das nicht automatisch ein Problem. Im Regelfall beschränkt sich die Disbalance auf einzelne Bereiche der Beziehung. Empfindet aber einer der Partner die Verteilung dauerhaft als ungerecht, leidet die Liebe. Es gibt auch Beziehungen, die haben von Beginn an mit einem Ungleichgewicht zu kämpfen: Ein Partner ist deutlich wohlhabender, gebildeter, attraktiver – solche Faktoren können begünstigen, dass der vermeintlich Unterlegene denkt, mehr geben zu müssen. Doch auch wenn sich beide auf Augenhöhe begegnen, passiert es, dass sich einer für den anderen aufgibt. Man investiert und erwartet das vom anderen in gleichem Maße. Kommt weniger als erhofft zurück, macht sich Enttäuschung breit – die der andere natürlich bemerkt. Er entwickelt Schuldgefühle und sieht sich unter Druck gesetzt – oft der Anfang einer handfesten Krise. Ähnlich läuft es mit großzügig dargebrachten Opfern für die Liebe: Beide Partner sollten das bekommen, was sie brauchen. Wer für den anderen verzichtet, macht ihn verantwortlich, wenn ihm selbst etwas fehlt.

"Jeder möchte sich als jemand fühlen, der gut lieben kann". Mit diesem Leistungsdenken überfordert man aber nicht nur sich selbst, sondern auch den Partner: Nur weil er mich liebt, weiß er nicht automatisch, was ich mir insgeheim wünsche.

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