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Samstag, 30. November 2013

Es könnte jederzeit wieder passieren - mein Burnout


Ich würde mich nicht als geheilt bezeichnen, eher als stabil. Ich muss höllisch aufpassen das ich nicht wieder in das alte Muster zurückfalle.


















An Weihnachten 2010 merkte ich, dass ich nichts mehr vertrage. Jeder Besuch war zuviel. Ich wollte einfach meine Ruhe. Zurück an der Arbeit versuchte ich meine Situation irgendwie in den Griff zu bekommen. Doch nach einer Woche musste ich dann endgültig aufgeben.

Es waren verschiedene Ereignisse, die zu meinem Burnout führten: Immer beweisen zu müssen, alles im Griff zu haben, mit dem Team erfolgreich sein, genügende Aufträge für meine Mitarbeiter reinzuholen, alle Aufträge und Projekte termingerecht umzusetzen. Zuletzt habe ich mich praktisch über alles aufgeregt, egal ob ein Mitarbeiter nicht rapportierte oder ein Kunde mit einem dringenden Problem zu mir kam. Ich musste mich jedes mal zusammenreissen das alle um mich rum nicht realisierten was mit mir los war.

Ich hatte das Gefühl, dass man sich keine Fehler leisten darf. In den schlimmsten Phasen arbeitete ich etwa 60-70 Stunden in der Woche und wenn dabei auch das Wochenende dabei drauf ging. So häufte sich die Überstunden auf über 250 Stunden im Jahr. Wenn ich nach Hause kam, konnte ich nicht mehr abschalten. In dieser Zeit litt auch die Beziehung zu meiner Frau sehr. Ich war nicht immer nett zu ihr. Für meine Freunde und Hobbys hatte ich kaum mehr Zeit. Mein Blick verengte sich. Ich war gefangen in einem Tunnel, es gab nur noch die Arbeit.

So fühlte ich mich immer mehr einsamer. Nachts konnte ich nicht richtig schlafen. Mein Hirn war immer in Aktion den am nächsten Morgen musste ich ja wieder auf volle Leistung sein. Das ging schon über mehrere Monate so. 

Der Arzt hatte mich dann krankgeschrieben und ich musste wieder lernen zu schlafen. Was jedoch nur mit Medikamenten möglich war. Nach sechs Monate hatte ich das Gefühl, dass ich wieder gesund sei und so bin ich mit einem reduzierten Arbeitspensum wieder zur Arbeit. Nach einer kurzen Zeit habe ich dann das Pensum wieder auf 100% erhöht und war ohne es zu merken wieder im alten Muster drin. 

Ich musste erst ganz ausbrennen, um zu erkennen, dass es so nicht weitergehen konnte mit mir. Im Januar 2012 war es schliesslich so weit. Ich hatte bereits mein zweites Burnout. 

Der Wendepunkt kam, als mein Arzt mich zum zweiten mal wegen Burnout krankschrieb. Nun hatte ich es also schriftlich: Ich war krank. Irgendwie war es fast eine Erleichterung. 

Ich fing eine Gesprächstherapie an um herauszufinden warum ich in das Burnout geraten bin. Endlich konnte ich mit jemandem über mein Innerstes sprechen, fühlte mich verstanden. Dabei habe ich mein ganzes Leben von hinten bis heute aufgerollt. Mir ist jetzt bewusst, warum ich mich so verhalten habe und dass ich einen grossen Teil meiner Bedürfnisse über lange Zeit ignorierte. Ich habe immer wieder ein Ding von Null auf Erfolg getrimmt. Auch dann als ich alles verloren hatte. Meine Familie, mein ganzes Vermögen arbeite ich mich wieder nach oben und zahlte meine Schulden zurück. Ich bin immer wieder in Anstellungen geraten in denen ich für andere etwas wieder aufbaute. Dabei merkte ich gar nicht, dass ich immer mehr in die Isolation abrutschte, keine Zeit mehr fand meinem Hobby nachzugehen oder mit den Menschen die mir wichtig waren Zeit zu verbringen. Das fehlte mir dann sehr, auch wenn ich es nicht bemerkte. Diesen Teil meiner Persönlichkeit versuche ich heute wieder vermehrt zu Leben und erleben. Leider musst ich zu Kenntnis nehmen, dass mein Freundeskreis von früher, seit ich nach Zürich gezogen bin, faktisch nicht mehr vorhanden ist. Ich bin dabei neue Freunde zu finden was nicht ganz so einfach ist.

Es tut mir gut, Zeit mit meiner Frau zu verbringen


Zwischenmenschliche Beziehungen sind mir wichtiger geworden, zu Freunden und auch innerhalb der Familie. Als ich krank war und zu Hause bleiben musste, habe ich gemerkt, wie gut es mir tut, Zeit mit meiner Frau und mit Menschen die mir wichtig sind zu verbringen. Heute nehme ich mir diese Zeit. Mache wieder vermehrt Ausfahrten mit dem Motorrad alleine oder mit gleichgesinnten, spiele E-Gittare oder treibe Sport.

Gemeinsam mit meiner Frau verbringe ich wenn irgendwie möglich ein Wochenende pro Monat in den Bergen. Wir wollen mehr Zeit für einander haben und uns vom Alltags-Stress zu erholen und die Natur zu erleben. Ich bin froh, dass ich eine so tolle Frau habe, die auch in den schlimmsten Phasen von meinen Burnout immer zu mir gestanden ist, was für sie nicht immer einfach war. Ich fühle mich in der Partnerschaft geborgen. 

Ich bin auf der Karriereleiter zurückgegangen


Ich musste lernen mit meinen Ressourcen im Beruf umgehen zu können. Dies habe ich erreicht, in dem ich beim zweiten Burnout nach einer kurzen Auszeit wieder mit einem Teilpensum von 50% gearbeitet habe. Nach und nach habe ich das Teilpensum erhöht bis ich Ende 2012 wieder zu 100% arbeitete. Mit Unterstützung der Therapeutin lernte ich mit dem Arbeitsdruck umzugehen und auch meine Grenzen zu erkennen.

Ich arbeite wieder im selben Unternehmen und habe einen schwierigen Schritt gewagt: Ich bin nicht mehr Teamleiter. Jetzt bin ich ein einfacher Angestellter. Das fiel mir nicht leicht, war ich doch seit mehr als 30 Jahren immer in führenden Positionen angestellt oder Selbständigerwerbender. Ich wusste nicht wie ich mit der neuen Situation zurecht komme werde. Aber ich bin der Typ, der sich übermässig engagiert und dazu neigt auszubrennen. Deshalb ist die Position, die ich jetzt habe, die richtige für mich. Aber die Gefahr ist weiter da. Ich bin einer von wenigen Senior Berater mit dieser langjährigen Erfahrung auf dem Gebiet wo ich Arbeite. Da kommen ständig Anfragen für Projekte, Unterstützung von Arbeitskollegen, Spezialaufträgen und Supportanfragen. Ich weiss jetzt, ich kann nicht alles machen. Neinsagen musste ich erst lernen. Mein Chef weiss von meinen Schwierigkeiten, und respektiert es wenn ich nein sage.

Natürlich mache ich auch mal ein paar Überstunden, aber nicht ohne Ende. Ich trage nicht mehr die ganze Verantwortung. Ich kann jetzt zu meinen Vorgesetzten gehen und sagen, das ist zu viel, das schaffe ich nicht in meiner Arbeitszeit. Das ist eigentlich ideal für mich. Was am Ende zählt, ist nicht die Karriere oder das Geld. Wichtig ist, dass es mir gutgeht, dass ich den Augenblick spüre.

Mein Burnout ist ein Jahre her. Seitdem geht es mir gut, und ich fühle mich stabil. Aber mir ist auch klar: Es könnte jederzeit wieder passieren. Nur habe ich keine Angst davor. Ich weiss, dass ich da auch wieder rauskommen würde. Eigentlich hat mich die Krankheit stärker gemacht.

Offenheit tut gut


Eine positive Erfahrung habe ich in dieser Zeit erfahren dürfen. Mit den Leuten mit denen ich über mein Burnout gesprochen habe haben grosses Verständnis aufgebracht und mir auch die nötige Zeit gegeben. Was im Berufsleben nicht immer der Fall ist.

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