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Samstag, 10. November 2012

Ab 10 Stunden pro Tag wird's gefährlich

Die Erreichbarkeit für den Job nimmt ständig zu. Personal Trainerin Marlise Rüegger sagt im Interview, wie Arbeitnehmer dennoch unnötigen Stress vermeiden und was beim Abschalten hilft.


Eine repräsentative Studie von Swisscom und 20 MinutenOnline zeigt, dass immer mehr Arbeitnehmer auch in der Freizeit für den Job arbeiten. Wo die Gefahren dabei liegen und was man tun kann, damit man durch die hohe Erreichbarkeit nicht verschlissen wird, verrät die Personal Trainerin Marlise Rüegger im Interview.

Wird die Zahl von Burnout-Opfern bald noch massiv ansteigen?

Marlies Rüegger: Defintiv. Es wird einen deutlichen Trend nach oben geben. Wenn der Mensch seinen Tag nicht selber wirklich streng strukturiert und Arbeit und Freizeit trennt, dann läuft er zwangsläufig Gefahr, in Erschöpfungszustände zu verfallen. Wer diese ersten Zeichen der Erschöpfung übergeht, wandert zielgerade Richtung Burnout.

Merkwürdigerweise sagen aber 83 Prozent der Befragten, dass ihre psychische Gesundheit absolut gut sei. Ist das ein Trugschluss? 

Mit Sicherheit. Die Erfahrung zeigt: Nur etwa 20 Prozent schaffen es, ihren Tag so zu strukturieren, dass die Erholungsphasen und Zeit zum Abspannen nicht zu kurz kommen. Die anderen 80 Prozent der Arbeitnehmer und Selbständigen verlieren sich schnell in der Arbeit. Das Fatale daran: Oft merken sie es gar nicht, weil der Ortswechsel weg vom Büro hin zum Balkon verschleiert, dass man beim Beantworten von Mails oder bei geschäftlichen Anrufen immer noch arbeitet.

Führt Ihrer Erfahrung nach die Verquickung von Freizeit und Job überhaupt zu mehr Stress?

Das lässt sich nicht leugnen. Mit dem Smartphone oder dem iPad nehmen viele Angestellte quasi ihr ganzes Büro mit nach Hause. Da wird es schnell zum Zwang, immer wieder nachzuschauen, ob neue Mails eingetroffen sind. Ich erlebe es in der Praxis oft, dass Arbeitnehmer 16 Stunden fortlaufend Impulse erhalten, die mit dem Job zu tun haben. Das geht auf Dauer nicht gut.

Wie viel Erreichbarkeit für den Job ist denn aus Ihrer Erfahrung überhaupt verträglich?

Ab 10 Stunden pro Tag wird es gefährlich bei permanenter Belastung. Spätestens nach drei Monaten meldet sich dann der Körper.

In Deutschland gibt es einen Vorstoss von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Sie will, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter künftig per Gesetz vor zu viel Stress durch Dauererreichbarkeit fürs Geschäft schützen müssen. Was halten Sie von dem Vorschlag?

Das finde ich super und kann ich nur unterstützen. Unternehmen haben eine Verantwortung für ihre Mitarbeiter, denn sie fordern und profitieren von ihnen. Wenn sie den Bogen überspannen, muss letztlich die Gesellschaft die Folgen tragen. So müssen zum Beispiel Krankenkassen für die Behandlung von Burnouts aufkommen. Hier müssen Unternehmen mehr in die Pflicht genommen werden.

So ein Gesetz ist in der Schweiz nicht in Sichtweite. Wie können Arbeitnehmer trotzdem Job und Freizeit strikter trennen?

Es braucht unbedingt einen knallharten Plan - von wann bis wann mache ich was. Und dieser sollte sich nicht nur auf die Arbeit beschränken, sondern auch den Freizeitbereich einbeziehen. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich gerade Manager in der Freizeit oft mit anderen verabreden - zum Sport, zum Essen oder was auch immer. Dadurch wird es verbindlich und sie sind gezwungen, das Vorhaben auch wirklich in die Tat umzusetzen. Was sicher auch hilft: Sich öfter mal klarmachen, dass man doch gar nicht so wichtig ist. Es gibt im Berufsalltag und in der schnellen Zeit gar nicht so viele Sachen, die nicht auch bis am nächsten Tag warten könnten.

12 Prozent der Angestellten in der Schweiz sagen, dass sie Probleme haben, Berufs- und Privatleben in Balance zu halten. Was empfehlen Sie diesen Menschen?

Sie müssen vor allem für ausreichenden Ausgleich sorgen. Dabei sollten drei Bereiche gleichberechtigt abgedeckt werden: Ernährung, Bewegung und Entspannung. Pro Tag sollten jedem Bereich zwei Stunden gewidmet werden. Wichtig dabei ist, dass man dies bewusst tut. Idealerweise verbindet man es mit sozialen Kontakten. Also sich zum Beispiel zum Spaziergang verabreden oder gemeinsam einkaufen und kochen. Dann ist sichergestellt, dass Familie und Freunde nicht zu kurz kommen.

Sie sagen, Bewegung sei wichtig. Aber ist es nicht so, dass Sport noch zusätzlich Energie kostet?

Ich empfehle eher Bewegung allgemein. Auch entspanntes Schwimmen oder gemütliches Radfahren zählen dazu, ebenso wie ein Spaziergang am See. Wenn man dies zu zweit tut und sich dabei zum Beispiel über den neuesten Film oder über ein Erlebnis vom Wochenende unterhält, dann ist es quasi unmöglich, nebenbei auch noch an den Job zu denken. Das Gedankenkarussell stoppt und damit fängt die Entspannung an.


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